21. Glaubst du mir?

Ravel saß vor seinem Computer und hämmerte verzweifelt in die Tasten, immer ungeduldiger, immer schneller…
Doch nein! Nein, es funktionierte einfach nicht! Schon seit Stunden versuchte er, wieder Herr der Lage zu werden, die Programme neu zu installieren… Immer wieder mal klappte etwas, ein Fünkchen Hoffnung, dass er das vermaledeite Ding doch noch in Ordnung bringen könnte und dann – peng – wieder schwarz, wieder Absturz. Er hätte vielleicht schon aufgegeben, wenn es zwischendurch nicht doch immer wieder mal diese Hoffnungsschimmer gegeben hätte…

In letzter Zeit schien die Technik einfach nicht mehr mit zu spielen. Gestern hatte sein CD-Player ohne ersichtlichen Grund einfach nicht mehr funktioniert, vorgestern gab es ein Problem mit dem DVD-Player, heute stürzte zum wiederholten Male der Computer ab.

„Verdammt, du dämliches Ding! Ihr blögen Geräte!  Wollt Ihr mich völlig entnerven?! Warum tut ihr nicht was ich will?! Warum tut ihr´s nicht?!!! Warum ärgert ihr mich so?! Gefällt es euch, wenn ich wütend werde? Ja? Wollt ihr das? Gut! Das könnt ihr  haben!“ Wütend rüttelte er an der Tastatur. „Warum, warum, warum, tut ihr nicht was ich will???!!!

Erschöpft sank er auf  seinen Schreibtischstuhl und brach in Tränen aus. Was war nur in ihn gefahren? Wie kam es , dass er so am Durchdrehen war? Wie durch einen Nebel sah er sich, wie er in der letzten halben Stunde herum getobt hatte… „Warum tut ihr nicht , was ich will?!“  Plötzlich veränderte sich seine Stimme und er hörte in seinen wütenden Worten die Stimme seinen Vaters heraus, der verzweifelt brüllte:  „Warum tut ihr nicht, was ich will? Warum?“

Wie sehr hatte er diese Momente gefürchtet und gehaßt. Wie sehr bestimmten Angst und ein ständiges  Hab-Acht-Gefühl und Schutzbedürfnis die Beziehung zu seiem Vater. Und dabei war er es, der Schutz gab, er Ravel hatte seine Geschwister und manchmal auch seine Mutter  zu schützen versucht… Während seine Gedanken weiter in die Vergsangenheit wanderten,  schlief er ein und fand sich in einem Haus wieder, dass dem ähnelte, in dem er als Kind mit seiner Familie gewohnt hatte, nur dass es irgendwie schöner, heller, freundlicher war…

Plötzlich stand sein Vater vor ihm. „Oh Gott! Was habe ich getan! Mein Sohn, ich war so oft außer mir. Ich versuchte, die Kontrolle zu erlangen über euch Kinder. ich glaube, ihr standet stellvertretend für all das, was ich in meinem Leben nicht unter Kontrolle hatte.  An euch habe ich es ausgetobt, dass ich nicht fähig war, mein Leben so zu leben, wie ich es eigentlich wollte. Ich konnte es einfach nicht hinkriegen! Mein Leben gelang mir  nicht so wie ich es wollte, alles lief aus der Bahn – und ihr, ihr zeigtet mir immer wieder, dass ich nichts kontrolllieren konnte – ich konnte euch nicht beherrschen – na ja Kinder sind ja auch nicht zum Beherrschen da – und was das allerschlimmste ist: Ich konnte MICH nicht beherrschen…“

Mit Tränen in den Augen stand der Vater vor seinem Sohn… „Glaubst du mir, wenn ich dir sage, dass ich es nicht so gewollt habe? Mein Junge, ich wollte so nicht sein! Immer und imemr wieder habe ich es hinterher bereut und mir vorgenommen, nicht mehr auszurasten. Immer und immer wieder. und wieder und wieder misslang es…

Du weisst nicht, wie sehr ich mir gewünscht hatte, anders zu sein – ein besserer Vater, ein freundlicherer Ehemann, ein erfolgreicherer Mensch… Und immer wieder habe ich versagt! Ich konnte es nicht kontrollieren, das Leben nicht, die Umstände nicht und MICH nicht…  Junge, glaubst du mir – ich wollte es immer wieder besser machen, aber es gelang mir nicht, je mehr ich mich dafür schämte und es besser machen wollte, umso schlimmer wurde es… Glaubst du mir, wenn ich dir sage: Ich liebe dich!? Ich habe dich immer geliebt! Kannst du mir das glauben?“

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6 Antworten so far »

  1. 1

    Mimi306 said,

    Das ist sooooo schön mir kullern die Tränen…..ich kann es spüren als würde es mit mir reden….das wühlt mich auf…ja ich sag es auch zu meinem DAD ja!!!!oh ja

    • 2

      Liebe Mimi,
      was gibt es Schöneres als das Herz so tief zu berühren. Möge tiefe Heilung geschehen für dich und deinen DAD und für uns alle und unsere Eltern…
      von Herzen alles Liebe sagen dir
      Marina und Olaf

  2. 3

    Irene Tara said,

    … Was für eine berührende Geschichte!

    Ja – oh ja. Ich kenne es auch aus meinem Leben von früher, sowohl von meinen Eltern, als auch von mir.

    Bin schon gespannt, wie die Geschichte weitergeht – –

    Liebe Grüße
    Irene

    • 4

      Liebe Irene,
      wir freuen uns sehr, dass dich unsere Geschichte berührt. Auch wir sind schon gespannt, wie es weiter geht, was die nächste Inspiration uns schenkt…
      Alles Liebe und vielen Dank sagen dir
      Marina und Olaf

  3. 5

    Lieber lieber Ravi, auch mir kamen die Tränen. Wenn es Dir recht ist, knuddel ich Dich mal ganz dolle. Hat Papa auch „Tut mir leid, mein Sohn“ gesagt?

    Umärmelung von Kirstin

  4. 6

    Umdenken Spirithink oder Gedanken bedenken said,

    Liebe Kirstin,

    wie es weitergeht möchten wir an dieser Stelle noch nicht verraten 😉 der Spannung wegen. Ganz liebe Umärmelung an die liebe Kirstin 🙂 🙂 🙂
    alles Liebe, dir
    vom Olaf


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