16. Jedes Gefühl ist wertvoll, hat seine Farbe und seinen Ton

Melina fand sich wieder im Land ihrer inneren Welt, dem schönen Luminarien. Sie lag im Gras und schaute in den strahlend blauen Frühlings-Himmel. Wohlig räkelte sie sich… Da wurde ihr ihr Kummer wieder bewusst: Ihr kleiner Krebs-Patient Melvin war gestorben – und sie war nicht da gewesen. Dabei hatte er sie doch vor kurzem so sehr gebeten, dass sie am Ende bei ihm sein möge. Schwer drückten die Schuldgefühle auf ihr empfindsames Gemüt.

Da hörte sie Stimmen…  Sie blickte sich um und sah an verschiedenen Plätzen des schönen Schloß-Gartens, in dem sie erwacht war, Kinder und  liebevolle, strahlende Begleiter. Sie spielten vergnügt in der Sonne. Einige von ihnen hatten zauberhafte bunt strahlende Eier in den Händen.

Ach ja, richtig, es war ja bald Ostern, daran hatte sie bisher gar nicht gedacht. Anscheinend wurden auch hier Eier bemalt. Aber nein, es gab keine Pinsel und Farbtöpfe. Melina beobachtete, wie ein Mädchen ein weißes Ei aus einem Korb nahm, es einen Moment lang still in den Händen hielt und betrachtete – und plötzlich färbte sich das Ei zart rosa und wie durch Zauberhand entfaltete sich darauf ein buntes Muster.

Langsam ging Melina auf das Mädchen zu und sprach es leise an: „Wie machst du das?“
„Oh,“ lachte die Kleine, „du bist wohl neu hier! Das geht ganz leicht. Ich denke an etwas, fühle das Gefühl, das dadurch in mir entsteht, und dann bitte ich das Gefühl, sich auf meinem Ei nieder zu lassen. Das macht so viel Spaß! Ich bin immer ganz gespannt darauf, wie das Ei dann wohl aussehen wird. Und immer entstehen neue tolle Muster und Farben!“

„Hm, meinst du, ich könnte das auch mal versuchen?“ fragte Melina fasziniert.  
„Na klar, es sind ja ganz, ganz viele Eier da – und hier dürfen wir doch alles, wozu wir Lust haben! Hauptsache, es schadet keinem. Probier mal, das Muster kommt durch das Gefühl, das du gerade fühlst.“ Die Kleine schaute Melina interessiert an. „Bist du traurig?“

„Ja, sieht man das?“ fragte die junge Frau erstaunt.
„Na ja, ein  bisschen seh´ ich es, aber vor allem spüre ich es. Das macht aber nichts. Hier ist man nicht lange traurig. Mach einfach ein Ei draus.“

Und Melina nahm ein Ei aus dem Korb. Zweifelnd schaute sie es an. Mit diesen schwermütigen, bedrückenden Schuldgefühen, die sie gerade in sich trug, konnte bestimmt kein schönes Muster entstehen…
Doch sie sollte erstaunt feststellen, dass sich das Ei mit kraftvollen Farben füllte, die in wunderschönen Verläufen ineinander übergingen. Wie war das möglich? Brauchte man nicht gute, wohlige Gefühle, um Schönheit entstehen zu lassen?

„Das habe ich mich auch schon gefragt,“ hörte sie eine Stimme hinter sich.
Ein junger Mann trat zu ihr. „Entschuldige, dass ich einfach auf deine Gedanken antworte, aber ich bin gerade mit der gleichen Frage unterwegs – und du weißt ja vielleicht schon, dass Gedanken hier so hörbar und sichtbar sind wie gesprochene Worte bei uns. Übrigens, ich heiße Ravel, und komme in letzter Zeit auch des öfteren hier her.“

Er reichte ihr freundlich die Hand. Ein Weilchen schaute Melina ihn einfach nur an, er kam ihr irgendwie vertraut vor, aber sie kannte ihn eigentlich nicht, jedenfalls nicht aus ihrer realen Welt. Er war ihr auf den ersten Blick sympathisch.

Während sie noch ihre Hände hielten, gesellte sich Cincera zu den beiden.
„Ich würde euch gern eure Frage beantworten.“ Sie lächelte. „Jedes Gefühl hat eine bestimmte Qualität und Schwingung, die sich auch in Farben ausdrücken kann, egal ob es sich angenehm oder unangenehm anfühlt. Es gibt in Wahrheit keine guten oder schlechten Gefühle, so wie es bei euch oft gelehrt wird. Jede Empfindung ist wertvoll! Und dieser Wert spiegelt sich in Form von Farben und Mustern wider – überall dort, wo ihr beschließt, dass es sich zeigen möge. Das ist in eurer Welt nicht anders – nur könnt ihr das mit euren physischen Augen nicht sehen – noch nicht. Aber diese bei euch „hellsichtig“ genannte Fähigkeit kann wachsen, je mehr ihr euch selbst vertraut.“

Melina bemerkte fasziniert: „Es fühlt sich übrigens gar nicht mehr ganz so bedrückend in mir an wie vorher.“
„Das liegt daran, dass du dein Gefühl zugelassen hast und dass du es ausgedrückt hast – hier auf diesem Ei.
Gefühle sind wie Wellen, die sich immer verändern. Wird das Wasser gestaut, also festgehalten, nicht raus gelassen, kann es leicht trübe werden. Wenn es aber fließt,  ist es klar – und die Wellen finden immer wieder neue Formen. Deshalb ist es so außerordentlich heilsam, all eure Gefühle zu fühlen und ihnen Ausdruck zu verleihen. 

Ravel lachte: „Gefühle ausdrücken… hat auch was von einem Schwamm. Wenn ich ihn ausdrücke, kann er wieder neues Wasser in sich aufnehmen. Farben und Muster sind toll, die mag ich.“

„Ja, aber auch Tränen können Gefühle ausdrücken,“ setzte Melina hinzu. Dann fiel ihr Blick auf zwei lachende Kinder, die sich an den Händen hielten, sangen und dazu tanzten. „Tanzen, lachen und singen ist auch eine schöne Möglichkeit,“ seufzte sie…

Kurze Zeit später erwachte die junge Frau. Sie war sanft eingedöst, während sie die Wölkchen im Himmel betrachtet hatte.
In ihrem Inneren vernahm sie eine ruhige, leicht schwermütige Melodie… 

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3 Antworten so far »

  1. 1

    Ihr lieben, wie schön ist das denn!! Herzlichen Dank für diesen Text. Das macht das ganze erschaffen so schön anschaulich, das kann ich mir gut vorstellen. Im Moment ist für mich die Zeit des erschaffens da.

    Und da möcht ich auch gerrne leben, in Luminarien. Aber grad dieser Tage sagte eine Freundin, daß wir doch einfach beschließen können – so tun, als lebten wir schon so, wie wir wollen.

    Ich wünsche Euch eine gute Zeit.

    Alles Liebe von Kirstin

    • 2

      Liebe Kirstin,
      es ist uns eine Freude Deine Begeisterung über unsere Geschichte zu fühlen, ein schönes Gefühl. Es ist eine Form der Wertschätzung und letztlich ein Gefühl von Liebe.
      Unser beider Erfahrung ist: Je mehr wir in dem Bewusstsein Der Liebe Ohne Gegenteil sind, desto mehr erfahren wir Luminarien als Realität. Können sie also ein Stück mit in unsere reale Welt einfließen lassen.

      Das schreiben und lesen unserer Geschichte ermöglicht es unserem Geist und unserer Seele das Eintauchen in Luminarien. Denn, wie wir auf unserer Begrüssungsseite schon schrieben: Kann unser menschliches Gehirn, nicht zwischen Vorstellung und Realität unterscheiden.
      Das Unterbewusstsein erzeugt somit eine reale Erfahrung der Liebe ohne Gegenteil, die in Luminarien ihre Heimatstätte hat.

      Es ist in etwa wie die Kinder: „Komm, lass uns noch etwas Luminarien, Die Liebe Ohne Gegenteil, spielen“. Unsere innneren Kinder nehmen aber das Bewusstsein, nach dem spielen, mit in unsere Erwachsenenwelt und das ist magisch.
      Insofern geht es weniger darum zu tun als ob sondern tatsächlich zu fühlen als sei es real. Und schwupps….siehe da Du bist hier im Land der Liebe ohne Gegenteil.

      Wir wünschen allen unseren lieben Lesern und auch Dir, liebe Kirstin,
      frohe Ostertage.

      Marina und Olaf

  2. 3

    Liebe ohne Gegenteil – das ist es doch. Ein klasse Mantra.

    Ich erschaffe Liebe ohne Gegenteil. ICH BIN LIEBE OHNE GEGENTEIL:


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