9. Kummer und Trost

Trost in der inneren Welt

 ….RIIIIIINNNNGGGGGG………völlig verschlafen tastete Ravel nach dem Wecker.
Es war Montagmorgen – noch tiefste Dunkelheit draußen. Etwa schlaftrunken ging er ins Bad. Ein neuer Tag, in stumpfer Routine hatte begonnen. In der letzten Zeit ging es ihm gar nicht gut. Vor vier Monaten hat er seine Partnerschaft mit Mike beendet. Es gab so viele Gründe, er fühlte sich nicht mehr wirklich wahrgenommen und verstanden.  

Mike war immer so beschäftigt, dauernd gab es irgend etwas zu tun mit der Arbeit. Mike war selbständig und arbeitete sehr viel. Manchmal 12 bis 14 Stunden am Tag. Er arbeitete als Event-Manager, plante Events in ganz Europa. Da er ständig unterwegs war, von einem Termin zum anderen,musste er Verabredungen mit Ravel oft – viel zu oft!- verschieben.

Ravel fühlte sich einsam, fragte sich immer häufiger, wo die schönen Honeymoon-Zeiten geblieben seien. Die ersten ein bis zwei Jahre waren der Himmel für ihn. Ständig überraschte Mike ihn mit irgendeiner Sache, sei es ein kleines Geschenk, eine Veranstaltung, ins Kino gehen, gemeinsam ins Fitnessstudio gehen… Anfangs dachte Ravel oft, dass Mike viel mehr Gefühle für ihn hatte als er selbst.
Natürlich war auch Ravel sehr verliebt, er hatte dieses totale Kribbeln im Bauch, wartete immer sehnsüchtig auf Mikes Anrufe, SMS oder Emails, wenn er unterwegs war.

In den letzten Monaten vor der Trennung, glaubte Ravel sogar, da sei jemand anderes im Spiel. Sie sprachen sogar darüber, mehrfach… Mike versicherte ihm aber immer hoch und heilig es gäbe nur ihn. Sein Unternehmen habe sich halt im letzten Jahr stark vergrößert. Es stünden jetzt viel mehr Aufträge an und somit natürlich auch mehr Arbeit.

Irgendwann war Mike so angenervt von Ravels Fragerei, dass er sich mehr und mehr zurückzog. Mike war ja sowieso schon sehr viel unterwegs, doch wenn er dann selten einmal freie Zeit für gemeinsame Unternehmungen gehabt hätte, war er immer schon anderweitig verplant: ein Essen mit Gernot, seinem besten Freund, eine Party von einer Freundin mit der Ravel kaum zu tun hatte…  Und ins Fitness-Studio ging er inzwischen  auch nur noch ohne Ravel. Da kam dann der Abend vor vier Monaten, an dem es zu einem heftigen Streit zwischen beiden kam. Es ging im Grunde nur noch darum, einander zu verletzen und Recht zu behalten. Mike wirkte kalt und unnahbar, genauso wie Ravel selbst, wie ihm inzwischen klar wurde.

Gemeinsame Unternehmungen gab es immer weniger, ins Kino gehen wollte Mike kaum noch, und dann hatte er doch tatsächlich noch Ravels Geburtstag vergessen! Das war ja nicht mal das Schlimmste, viel schlimmer noch war die Tatsache, dass er gerade an diesem Tag, an dem er auch Zeit hatte, schon verabredet war. Ravel hatte gehofft, er würde die Verabredung einfach verschieben, aber Pustekuchen, offensichtlich war ihm das Treffen mit Lara wichtiger. Lara,eine frühere Arbeitskollegin, war nur für einen Tag in der Stadt.

Ravel verstand die Welt nicht mehr. Es hatte sich im Laufe der Zeit so einiges angesammelt  an kleineren und größeren Verletzungen – auch alte Wunden von vergangenen Liebesbeziehungen brachen auf, die gar nichts mit Mike zu tun hatten.

Trost fand Ravel in seiner inneren Welt. Es tat ihm gut, sich mit seiner Spiritualität zu beschäftigen, was Mike zwar überhaupt nicht teilte, aber akzeptiert hatte. 

In der Spiritualität schöpfte Ravel Kraft.
Er hatte viele Bücher gelesen und auch schon die verschiedensten Seminare besucht. Tief im Herzen glaubte er an das Gute, die Liebe, das Universum, den Kosmos, Gott, die Göttin, den Buddha oder wie immer er es auch nennen wollte. Es hatte abertausend Namen wie auch Formen.

Ihm war mit den Jahren zunehmend klar geworden, dass es im Grunde ganz gleich ist, welche Namen man IHM oder IHR gibt. Im Grunde handelt es sich ja um etwas Geistiges, etwas das sich den menschlichen Sinnes-Kanälen entzieht, zumindest vordergründig. Es ist weder sichtbar, hörbar, man kann es nicht riechen, oder schmecken oder gar ertasten. Und dennoch kann man es zugleich über sämtliche Sinnes-Kanäle erfahren – allerdings nur, wenn es einem bewusst ist. Denn im Grunde, so war ihm klar, ist es das Alles-Was-Ist, und darin enthalten ist alles, was sichtbar, hörbar, zu schmecken oder zu riechen wie auch zu ertasten ist – alles was irgendwie erfahrbar ist.
Das Göttliche befindet sich in jedem Menschenwesen, in jedem Tier, in allen Pflanzen. Es bewohnt letztlich jede uns bekannte Lebensform und befindet sich in jedem noch so kleinen wie auch großen Teil oder Teilchen im Universum.

Oft war er sich, meist in tiefen Meditationen, dieser unendlichen Größe in tiefer Ehrfurcht bewusst, in der er geborgen war, die aber auch in ihm lebte – eine Größe, in der alle Menschenseelen geborgen sind, eine Größe, die jeder Menschenseele innewohnt.

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2 Antworten so far »

  1. 1

    Irene Tara said,

    . . . Habe die wunderschöne Geschichte bis hierher gelesen und voller Interesse die Entwicklung der beiden verfolgt – – -Jetzt mach ich eine Pause, freu mich aber schon, wenn ich die Folge-Kapitel lesen werde.

    Fühle mich sehr erinnert an Michael Endes Unendliche Geschichte, die ich über alles liebe . . .

    Liebe Grüße von
    Irene

  2. 2

    Liebe Irene,

    wir freuen uns sehr das dir unsere Geschichte gefällt und du sie mit Interesse verfolgst. Es ist gut wenn du zwischendurch ruhig Pausen machst, dann können sich die heilenden Inhalte und Impulse viel besser setzen. Wir freuen uns sehr auf deinen nächsten Besuch.
    Bis dahin, liebe Irene, alles Liebe dir und ein schönes Wochenende 😀 😀

    Marina und Olaf


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