7. Schmerz und Sehnsucht

Das suchende innere Kind wird entdeckt

Ravel betrachtete fasziniert, was sich auf dem Bildschirm seines Computers zeigte: Ein prachtvolles Schloss in einer außerordentlich schönen, lichtvollen Landschaft eröffnete sich seinem staunenden Blick. Dieses Bild hatte er doch nicht auf seinem Bildschirmschoner installiert… Doch irgendwoher kam es ihm bekannt vor. Wage erinnerte er sich an ein Gespräch mit einem erstaunlich kraftvollen Mann in eben dieser Landschaft. Ja richtig – der Mann ohne Schatten, der alles von ihm wusste…
War das Traum oder Wirklichkeit?
Noch während er über diese Frage nachsann fiel seine Aufmerksamkeit auf einen kleinen Jungen, der gerade diese wundersame Landschaft betrat. Er wirkte verloren, ängstlich, einsam… Suchend wanderte er hierhin und dorthin.
Ravel fühlte sich tief berührt von diesem Jungen und auf seltsame Weise zu ihm hingezogen. Am liebsten hätte er zu ihm gesagt: „Hab keine Angst, ich helfe dir!“
Hatte er diese Worte tatsächlich geflüstert oder gar laut ausgesprochen?
Suchend drehte sich der Junge auf dem Bildschirm in alle Richtungen, als hätte er tatsächlich etwas gehört. „Wo bist du? Wer spricht da?“ fragte er aufgeregt in die Weite der Landschaft.
„Ich bin es, ich sehe dich, mein Kleiner, du bist nicht allein…“

Und plötzlich stand Ravel dem kleinen Jungen gegenüber, öffnete seine Arme einladend, und der Kleine kam zögernd auf ihn zu – Vorsicht und Zweifel in seinem scheuen Gesicht. Ravel ging in die Hocke und schaute dem Kleinen wissend und verstehend in die Augen.
In diesem Moment erst nahm er wahr, dass dies seine Augen waren – er blickte in sein eigenes Kinder-Gesicht.
Von dem liebevollen Blick ermutigt warf sich der kleine Junge in Ravels Arme und weinte, weinte, weinte…
Wie hatte er sich danach gesehnt, endlich gesehen zu werden, gehalten zu werden, verstanden zu sein…

Ja mein Kleiner, ich verstehe dich, ich kenne dich doch wie mich selbst…“

Das bist du selbst ,“ vernahm er die ihm schon bekannte freundliche Stimme des Mannes ohne Schatten, der unbemerkt hinter ihn getreten war.

Ich verstehe das alles nicht“, murmelte Ravel…


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