2. Welten durchdringen sich

Sie erkannte an seinem suchenden Blick, dass er sie gehört hatte.
Wie war das nur möglich? Was geschah hier? Ihre innere und äußere Welt schienen sich zu berühren – und all dies war möglich durch diesen Spiegel, in den sie schaute. Er war eingearbeitet in die Tür eines wunderschönen alten Schrankes, den sie einst von ihrer großen Schwester geerbt hatte. Diese liebevolle Seele weilte bereits in jener Welt, die den irdischen Augen unzugänglich ist. „Oh, Luka, sag mir, was geschieht hier?“ fragte sie die Seele ihrer Schwester. „Werde ich verückt? Gerade noch begann ich mir eine Geschichte aus zu denken, und nun sehe ich die Gestalten lebendig vor mir, als würde ich im Spiegel wie durch ein Fenster in eine andere Welt schauen…“

Und dann setzte für einen Moment ihr Herzschlag aus. Der Mann ohne Schatten sah aus der Ferne direkt in ihre Augen, schien ihr zu zu nicken, als habe er sie gesehen…

In ihrem Kopf formten sich Gedanken, die sie als nicht ihre eigenen erkannte…

Erkenne, du mein geliebtes Wesen:

dass es keine Trennung zwischen Dir und Mir gibt,
dass du ICH bist und ICH BIN du,
dass Gott eins ist mit dir, deiner Menschenseele,
dass Gott ALLES IST, WAS IST,
dass Gott BEDINGUNGSLOS LIEBT,
dass du das Menschsein wähltest,
um die Mannigfaltigkeit deines Selbst zu erfahren.
Verstehe, dass du ICH bist und ICH BIN du.“

Sie vernahm die Worte dieses seltsamen Mannes ohne Schatten, von dem sie dachte, dass sie sich IHN vor kurzem selbst ausgedacht hatte, als Stimme in ihrem Kopf.
„Du bist ICH und ICH BIN du“ hatte er ihr soeben erklärt. Und es stimmte ja! Er war ein Teil von ihr, ihre Geschichtenfigur – sie war insofern seine Schöpferin. Doch DER, den sie geschaffen hatte, gab Weisheiten von sich und begann ein Leben zu führen, das sie sich nicht bewusst ersonnen hatte. Das Ganze wurde zu einer Realität, die sie nicht begreifen konnte.
Hatte sie ihn wirklich erdacht, erschaffen?
Oder gab es IHN bereits in einer anderen Welt, zu der sie mittels ihrer Fantasie nun Zugang bekam…? Er sprach von der „Mannigfaltigkeit des Selbst“…
Erfand sie Geschichten, um sich in all ihren Geschichtenfiguren selbst zu erfahren?


Wieder schien ER ihr zu zu lächeln und sie direkt aus seinen goldenen Augen anzuschauen.
Und sie versank in seinem Blick. Raum und Zeit lösten sich auf …

Die Realitäten schienen zu verschwimmen. Wie in einem Aquarell wo die Farben ineinander laufen um neue Farben zu werden. Sicher, sie hatte sich schon sehr häufig mit der Realität beschäftigt, sich gefragt ob es denn nur eine Realität geben könnte. Sie hatte sich schon mit der menschlichen Wahrnehmung und dem menschlichen Erleben beschäftigt. Ihr war schon immer klar, das alle in einer Realität leben und dennoch jeder in seiner eigenen lebt, dass unsere menschlichen Sinne viel zu beschränkt sind, um diese in ihrer vollen Gänze zu erfahren.

Sie hatte große Ehrfurcht vor der Realität, der Königin der Objektivität. Sie war schon immer Zeit ihres Lebens von dieser Anmut, Schönheit, ihrer Geheimnisse und Wunder, die nur darauf warteten entdeckt zu werden, fasziniert.
Sie nannte die Realität auch oft einfach Gott. Im Grunde war das auch gleich wie Es, Sie, oder Er genannt wird. Ob es sich nun Bewusstsein, Universum, Kosmos, die Liebe, das Gute im Menschen, Allah oder Buddha o.ä nannte. Es hatte eintausend Namen Formen und Gesichter und unzählige mehr.

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